Anfrage Verlag Nürnberger Presse
Der Verlag Nürnberger Nachrichten hat bei uns zum Bau der Fischtreppe am Wöhrder See angefragt. Nachfolgend unsere Rückmeldung zu den Fragen:
Die Rolle des großen Sandfangs (Oberer Wöhrder See)
Der Obere Wöhrder See dient als großer Sandfang. Er fängt den von der Pegnitz mitgeführten Sedimente (Sand und Schlamm) auf, damit der restliche See nicht verlandet. Beim Bau des Fischwegs wird das Wehr teilweise zurückgebaut. Die wichtige Schutz- und Reinigungsfunktion des Sandfangs bleibt dabei vollständig erhalten.
Um effizient zu arbeiten, nutzt das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg die Bauphase der Fischtreppe gleichzeitig für die regelmäßige, notwendige Räumung (Ausbaggern) des Sandfangs.
Das vom Freistaat Bayern finanzierte Großprojekt soll die Wasserqualität und Biologie im gesamten Flussabschnitt nachhaltig verbessern.
Zwei Welten werden verbunden
Die neue Aufstiegshilfe verbindet zwei völlig unterschiedliche Lebensräume unserer heimischen Fischfauna.
Die von Ihnen angesprochenen Gewässer teilen sich insoweit auf, dass der Fischereiverband Mittelfranken e.V. als Bewirtschafter des Wöhrder Sees und wir als ältester Fischereiverein in Mittelfranken die Gewässerbewirtschaftung des Oberen Pegnitzflusslauf inkl. großer Sandfang, die ökologische Verpflichtung vertreten.
Die Obere Pegnitz ist offiziell als Forellenregion ausgewiesen. Hier dominieren die strömungsliebende Bachforelle (Leitfisch) sowie Begleitfische wie Groppe, Bachschmerle und Elritze.
Der Wöhrder See hingegen stellt ein von der Pegnitz gespeistes Mischgewässer dar, das fischereilich der Brachsenregion zugeordnet wird. Hier sind vor allem wärmeliebende Arten wie Karpfen, Brachsen, Schleien, Hechte, Zander, Welse und Aale zu Hause.
Der Bau der Fischtreppe am großen Sandfang des Wöhrder Sees erfolgt, um die ökologische Durchgängigkeit der Pegnitz wiederherzustellen und den Erhalt der Artenvielfalt zu sichern.
Das bestehende Wehr an der Flussstraße versperrte Fischen und anderen Wasserlebewesen den Weg in den Oberlauf der Pegnitz. Durch die neue Treppe wird der Wöhrder See direkt mit der Pegnitz im Naturschutzgebiet „Pegnitztal Ost“ verbunden.
Fokus auf den Artenschutz für das Bachneunauge
Ein besonderes Augenmerk liegt während der Bau- und Baggerarbeiten auf dem streng geschützten und vom Aussterben bedrohten Bachneunauge. Dessen Larven (sogenannte Querder) leben über mehrere Jahre vergraben im Sediment der dortigen Sandbänke. Die wichtige Funktion des Oberen Wöhrder Sees als großer Sandfang – der Schlamm auffängt, damit der restliche See nicht verlandet – bleibt auch nach dem Teilrückbau des Wehrs voll erhalten. Beim gesamten Bau wird streng darauf geachtet, diese sensiblen Zonen und ihre Bewohner nicht zu gefährden.
Welche Fischarten sind in diesem Bereich der Pegnitz am häufigsten?
Die von Ihnen angesprochene Fischtreppe, die die beiden Gewässerabschnitte künftig miteinander verbinden wird, stellen in ihrer Beschaffenheit und Art unterschiedliche Lebensräume unserer heimischen Fischarten dar.
Obere Pegnitz gilt gemäß der Ausweisung des Regierungsbezirk Mittelfranken als Forellenregion. Beginnend ab dem großen Sandfang bis Ende Regierungsbezirksgrenze Mittelfranken.
Der Leitfisch ist hier die Bachforelle. Begleitfische: Groppe (Mühlkoppe), Bachschmerle und Elritze.
Hingegen gilt der Wöhrder See, da er direkt von der Pegnitz gespeist wird, spiegelt sein Fischbestand den Übergang der Fischregionen wider. Er wird fischereilich primär als Brachsenregion beziehungsweise als Mischgewässer eingestuft.
Fischbestand: wie Karpfen, Brachsen, Schleien, Hechte, Zander, Welse und Aale dominieren hier.
Warum ist die Fischtreppe an dieser Stelle eine wesentliche Erleichterung für die Fische? Wie sah es dort in der Vergangenheit aus?
In der Vergangenheit stellte das bestehende Wehr an der Flussstraße für die Tierwelt ein jähes Ende ihrer Reise dar. Die künstliche Stufe im Flussbett war für fast alle Fischarten unüberwindbar. Das blockierte nicht nur die natürlichen Wanderungen, sondern schnitt die Fische auch von ihren überlebenswichtigen Laichplätzen im Oberlauf und geschützten Wintereinständen in den tieferen Gewässerzonen ab. Die Folge war eine biologische Verarmung des betroffenen Flussabschnitts.
Mit dem Neubau der Fischtreppe wird sich diese Situation grundlegend verändern. Die Anlage wird als sogenannter naturnaher Beckenpass realisiert. Statt einer unüberwindbaren Wand wird der Höhenunterschied nun in viele kleine, treppenartig angeordnete Becken unterteilt.
Das Entscheidende dabei ist die präzise Steuerung der Hydraulik. Die Fließgeschwindigkeit innerhalb dieser Becken ist bewusst gering gehalten. Dadurch entsteht ein Wanderkorridor, der nicht nur ausdauernden Dauerschwimmern wie der Bachforelle offensteht. Auch kleine, schwimmschwache Arten – wie die am Gewässerboden lebende Groppe oder die empfindlichen Larven des Bachneunauges – können den Höhenunterschied flussaufwärts nun mühelos und ohne Erschöpfung bewältigen.
Setzt der Fischereiverein nach Fertigstellung der Fischtreppe dort Fische ins Gewässer ein? Falls ja, welche Arten?
Wir als Angelverein und Gewässerbewirtschafter setzt Fische im Rahmen unseres Fischbesatzes nach, um die Fischbestände zu stützen, entnahmen auszugleichen und die biologische Vielfalt zu sichern. Entgegen dem Klischee geht es dabei heute nicht mehr nur darum, fangfähige Fische für die Angler in die Gewässer zu setzen. Der Besatz ist streng gesetzlich geregelt und verfolgt klare ökologische Ziele.
Viele Gewässer sind durch den Menschen verändert. Wasserkraftwerke, Wehre oder fehlende Fischtreppen verhindern, dass Fische zu ihren natürlichen Laichplätzen wandern können. Wenn sich Fische dadurch nicht mehr selbst vermehren können, gleicht der Fischereiverein diesen Ausfall durch künstlichen Besatz aus.
Im Rahmen des Artenhilfsprogramm (AHP) werden von uns gezielt vom Aussterben bedrohte Fischarten in ihre beheimateten Gewässerregionen eingesetzt. Damit leisten wir und andere Fischereivereine einen elementaren Beitrag, hochgradig gefährdete Arten vor dem endgültigen Verschwinden zu retten.
Während normaler Besatz den Alltag an einem Gewässer stabilisiert, ist ein Artenhilfsprogramm eine staatlich koordinierte Rettungsaktion mit wissenschaftlicher Begleitung.
Beobachtet der Fischereiverein nach Fertigstellung der Treppe, wie diese von den Fischen angenommen wird?
Ob das neue Bauwerk von den Fischen angenommen wird, überlassen die Verantwortlichen nicht dem Zufall. Nach der Fertigstellung startet eine systematische Funktionskontrolle (Monitoring). Diese biologische und technische Überwachung ist gesetzlich vorgeschrieben. Mithilfe standardisierter Methoden wird genau überprüft, ob die Fische die Aufstiegshilfe wie gewünscht annehmen und ob die Strömungsverhältnisse in den Becken optimal eingestellt sind. Das Projekt leistet somit einen messbaren und dauerhaften Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität und Biologie im gesamten Flussabschnitt.
Petri Heil
Markus

